Philosophisch-Psychologischer     Gesprächsraum
 
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Zu meinem interaktiven Blogthema "Rede- und Diskussionskultur heute", in der Kategorie "Das Wort", stelle ich hier eine Abstimmungsumfrage ein. Beteilige Dich gerne - je mehr, desto aussagekräftiger. Im Blog können wir uns dann darüber austauschen.

Wie zufrieden bist Du mit der Rede-/Diskussionskultur in unserer Zeit?

  sehr, alles bestens   na ja, so halbwegs, ist aber auf jeden Fall noch Luft nach oben   gar nicht, mir fehlt sehr viel   weiß nicht, hab mir noch nicht wirklich Gedanken darüber gemacht

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17.07.2020

Differenzierte Sichtweise und Wahrnehmung von Digitalisierung

Das Wesentliche

Als frei schaffender Auftragsprogrammierer und Entwickler von Anwendersoftware für innerbetriebliche Abläufe und Kommunikation, habe ich einen speziellen Blick auf das, was mit Digitalisierung verbunden wird.

Was immer auch in einem Unternehmen abläuft – in Produktion und Dienstleistung, in der Verwaltung oder der Unternehmensführung – alles spiegelt sich wieder in einer Fülle detaillierter Informationen und deren Zusammenführung, Interpretation und wechselseitiger Kommunikation zwischen allen Beteiligten.

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Mit den Möglichkeiten digitaler Daten/Informationstransformation kommt man dem altbekannten ökonomischen Prinzip, welches übrigens zu aller erst auch ein biologisches Prinzip ist, nämlich „mit dem geringsten Aufwand, einen größtmöglichen Erfolg zu erzielen“, sehr nahe.

Allerdings nur dann, wenn man diese Möglichkeiten als Mittel zum Zweck und nicht als Selbstzweck interpretiert und einsetzt. Ein IT- und Software-unternehmen, zum Beispiel, hat da sicher eine andere Perspektive wie ein IT- und Softwarenutzer.

Führe ich die Daten/Informationsdigitalisierung auf ihre wesentlichen Merkmale und Funktionen zurück, komme ich zu folgender Sichtweise – und jetzt wird es sehr kompakt:

Daten/Informations-Digitalisierung besteht im Wesentlichen aus (teil)automatisierter: Daten-Erfassung, -Verarbeitung, -Auswertung und –Archivierung, sowie deren unternehmensinterner und –externer Kommunikation.
Ihr Sinn und ihr Mehrwert im Hinblick auf analoge Daten/Informationsverarbeitung, kann gezogen werden aus ihrern schnellen, echtzeitnahen, ortsungebundenen, umfangreichen, detaillierten und flexiblen Auswertungs- und Vernetzungsvarianten.

Relevanz, Schnelligkeit und  Zugriffsmobilität spielen im branchenspezifischen Wettbewerb eine immer größere Rolle – jedoch noch lange nicht in jeder Branche. Daten/Informations-Digitalisierung sollte nicht pauschal, sondern sehr differenziert angegangen werden, damit nicht Sinn und Mehrwert in „Un-sinn“ und „Mehr-Geld“ und nicht Entlastung und Selbstverantwortung in Abhängigkeit und Unmündigkeit abrutschen.

Meine Programmierhaltung orientiert sich sehr stark an diesen wesentlichen Merkmalen.
Ich möchte den Nutzer von der analogen Begrenztheit entlasten und ihm einen zeitgemäßen und erweiterten Handlungs- und Entscheidungsspielraum auf Basis schnell verfügbarer, vielfältiger und detaillierter Daten geben.

Gleichzeitig soll er dabei weder abhängig noch zum „stupiden Knöpfchendrücker“ werden, der von irgendeinem versteckten, von ihm nicht beeinflussbaren sachbedingten Algorithmus ausgegrenzt und in seinen Fähigkeiten zurück-gehalten wird.

(Spezielleres zur Programmierung meines ERP-Systems kannst Du hier lesen (unter “Meine Angebote”): www.ps-pointsolution-kohl.de)

Und hier noch ein paar mehr Gedanken, wenn Du magst

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Es ist heute kaum mehr vorstellbar, dass vor noch gar nicht allzu langer Zeit, sämtliche Daten eines Unternehmens ausschließlich analog erfasst, ausgewertet und archiviert wurden.

Hat man dabei auch noch große Konzerne mit einer Unmenge an Einzelinformationen vor Augen, versteht man gar nicht, wie das möglich war.

Und dennoch ist oder wäre es gut, sich dies einmal zu vergegenwärtigen - das Wesentliche und der Sinn heutiger und stetiger Digitalisierung kämen zu Bewusstsein. Ein Bewusstsein auch dafür, was denn eigentlich genau da digitalisiert wird.

Ich selbst habe meine erste Ausbildung noch voll analog absolviert und dadurch wirklich jeden kleinsten Arbeitsschritt in der Datenverarbeitungskette kennengelernt und eigenhändig durchgeführt.

Je umfangreicher die Daten wurden, desto mehr wurde ich angeregt, die einzelnen Prozessschritte sinnvoll und vorausschauend zu organisieren und zu rationalisieren, wo es nur ging – und es ging wirklich gut – und keine Sorge, ich trauere dieser Zeit hiermit nicht nach.

Es geht mir nur um das Bewusstsein.

Denn was ist denn Digitalisierung eigentlich?

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Digitalisierung ist ein vielschichtiger Begriff*, der in Technik, Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und im einzelnen Menschen jeweils sehr unterschiedlich assoziiert wird.

Für die einen ist sie die physische digitale Verfügbarkeit in einem flächendeckenden Breitbandausbau und die Vision digital-technischer Machbarkeit in allen nur erdenklichen Zusammenhängen und Bereichen (Technik).

Für andere ist sie Effizienzsteigerung, mehr Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit durch automatisierte Vorgänge und die gewinnbringende Nutzung digitaler Vernetzung und Datennutzung (Wirtschaft).

Wieder für andere ist Digitalisierung ein technischer Wandel mit der Chance „mehr Wohlstand und mehr Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger zu schaffen, und ihn gleichzeitig sozialverträglich und im Einklang mit unseren Grundwerten“** zu gestalten (Politik).

Und dann schließlich ist Digitalisierung etwas, an das sich irgendwie angepasst werden muss. Für die einen ist sie dabei willkommen, gern genutzt und Freiheitsgewinn, für die anderen abgelehnt, bedrohlich, überfordernd, Freiheits- und Selbstbestimmungsverlust (Gesellschaft).

Vereinfachung, Entlastung, Kommunikative Vernetzung als auch Entfremdung, Abhängigkeit und biologische Einseitigkeiten sind ebenfalls Assoziationen zu Digitalisierung (einzelner Mensch).

Visionen und Hype sind die beiden Extreme, die diesen Begriff umklammern.

Ich bleibe zunächst im Hier und Jetzt und habe erkannt, dass im Büro-, Verwaltungs-, Datenerfassungs- und Datenauswertungsbereich bereits schon so viel möglich ist, jedoch nicht genutzt wird.

Außerdem bin ich der Überzeugung, wie oben schon angedeutet, dass es die Digitalisierung, die wie ein Komet zu einem plötzlichen, konkreten Zeitpunkt auf uns einstürzt, nicht gibt.

Es gibt differenzierte Digitalisierungen auf den unterschiedlichsten Gebieten und es wird sie auch weiterhin prozesshaft geben.

Wir werden an und mit ihnen wachsen können, wir werden aber auch – und mit „wir“ meine ich wirklich jeden einzelnen Menschen – wir werden aber diese Entwicklung auch selbst mitgestalten können und damit auch erkennen, wo die Grenzen zu falscher Entlastung, zur Entmündigung, zur Entwürdigung und Entmenschlichung liegen.

Günther Anders***, ein Philosoph aus dem letzten Jahrhundert, hat in seinen Gedanken zu der Entwicklung des Menschen im industriellen Zeitalter, eine sehr treffende Erkenntnis formuliert und dies mit einem Bild aus der griechischen Mythologie verbunden.

Er spricht von der „prometheischen Scham“ oder auch vom „prometheischen Gefälle“ und meint sinngemäß damit folgendes:

Prometheus gilt als der Gott, der den Menschen das Feuer und die Werkzeuge gebracht hat.

Diese werden als der „verlängerte Arm“ des Menschen verstanden, weil der Mensch mit seiner Geburt völlig nackt und mittellos da steht.

In diesen Anfängen ist aber der Mensch es selbst, der die Werkzeuge bewegt und in der Hand hält – er hat die Technik, formt, gestaltet und sichert damit seine Existenz.

Mit der industriellen Technisierung, der schnell wachsenden Digitalisierung und vor allem und entscheidend, mit der zum Gelderwerb verbundenen Vermarktung und Kommerzialisierung, verdrehen sich die „Machtverhältnisse“, bei der nicht mehr der Mensch die Technik hat, sondern die Technik hat den Menschen, wird von ihr abhängig (gemacht) – er fällt zurück in die Zeit vor Prometheus, die „prometheische Scham“

– so der Ansatz von Günther Anders, welchen ich hier nicht weiter kommentieren oder bewerten möchte, sondern nur diesen Gedanken aufgreifen möchte.

Kurzlebige Produkte, suggerierende-psychologisierende Werbung, vorübergehender Entzug grundlegender menschlicher Überlebensfähigkeit durch „Über-Entlastung“,  sind unter anderem Mechanismen, wie sich der „Kommerzielle-Industrielle -Technikkreislauf“ selbst am Leben und den Menschen in seinen Händen hält.

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Nun will und werde ich die „Technik-Digitalisierung“ hiermit nicht verteufeln und schlecht reden.

Sie ist ja grundsätzlich gut und unterstützt uns zu einem guten und sicheren Leben.

Nur sollten wir sie nicht aus unserer Hand geben und damit unsere Freiheit, unsere Selbstverantwortung, unsere Wertigkeit und unsere Würde bewahren. 

Diese Hintergrundgedanken tragen mich bei der Erstellung meines Anwendungssysteme und möchten ein harmonisches Verhältnis von Mensch und Technik-Digitalisierung, von Sinn und Nutzen erreichen.

Wenn Dich diese Thematik auch weiter interessiert und Du mit mir darüber in einen Dialog treten möchtest, lade ich Dich gerne zu einem interaktiven Austausch hier ein.

Ich bin gespannt und freue mich über Deine Gedanken.

Bis dann
Jürgen

*siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Digitalisierung
**Zitat aus https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Dossier/digitalisierung
***Günther Anders „Die Antiquiertheit des Menschen“ Band 1 und Band 2 (Beck’sche Reihe Band 319 und Band 320)

Admin - 17:14:42 @ Gedanken zu Wirtschaft Politik Kultur und Allerlei | Kommentar hinzufügen


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